Ökumene und Interreligiöser Dialog: Zwei Aufgaben - zwei Welten

Versuch einer Antwort auf eine häufig gestellte Frage:

Ökumene und der interreligiöse Dialog sind beide wichtig, sind aber sehr unterschiedliche Prozesse.

Denn in der Ökumene haben Christen umfangreiche gemeinsame Grundlagen in Bibel, Geschichte, Symbolen und Praxis. So können - außer Abendmahl und Eucharistie - weite Bereiche der Glaubens-, Frömmigkeits- und Gottesdienst-Praxis bereits heute gemeinsam vollzogen werden, wie ein gemeinsames Engagement in der Gesellschaft. Die Möglichkeiten gemeinsamer Spiritualität und Aktivität sind nahezu unbegrenzt, auch wenn insbesondere beim Amts- und Kirchen-Verständnis noch einige Hürden zu überwinden sind. Doch durch den gemeinsamen Glauben einer Hoffnung für diese und die kommende Welt auf der Grundlage von Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi ist heute bereits das Gemeinsame äußerst konkret.

Der interreligiöse Dialog ist dagegen eher ein vorsichtiges Tasten nach eventuellen Gemeinsamkeiten, wobei das Verhältnis Christen - Juden durch den gemeinsamen Bezug auf das Alte / das Erste Testament eine Sonderrolle hat. Wichtig ist aber immer die wechselseitige Toleranz, welche die Lebens- und Glaubensentscheidungen eines anderen akzeptiert, der Ausübung des jeweils anderen Glaubens Raum bietet, sofern dadurch eben dieselben Rechte anderer nicht eingeschränkt werden. Letztlich lässt sich im interreligiösen Dialog der kategorische Imperativ Kants sehr gut anwenden: Er kann Mord und Totschlag oder das Aufzwingen eines Glaubens verhindern. Und das kann ebenso zur Schicksalsfrage für das Überleben der Menschen werden wie die Suche nach gemeinsamen Werten der Weltverantwortung. Grundlage dafür ist der Dialog. Der Anspruch "Respekt und Wertschätzung" ist wichtig, ebenso wichtig sollte es aber auch sein, Glauben nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einer vermeintlichen Welteinheits-Religion zu reduzieren.

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